...IN VIGILIA NATIVITATIS DOMINI OBIIT

Grabplatte aus dem Jahr 1383

Fotomontage Während der Renovierungsarbeiten im Inneren der St. Martiner Pfarrkirche im Jahr 1985 wurde auch der alte Fußboden entfernt. Dabei traten die Fundamente des alten Chores und mehrere Grabplatten zu Tage. Diese hat man später teils an den Wänden des Kirchenschiffes angebracht, teils in den Nischen der Stützmauer des Schulhofes nördlich der Kirche aufgestellt.
Vor dem nördlichen Triumphbogenpfeiler des alten Chores fand sich die obere Hälfte einer Grabplatte (auf dem Foto unten rot markiert), die man in eine der o.g. Nischen verbrachte.
Auf der Fotomontage (Abb. links) wurde sie mit einem weiteren Fundstück (wieder)vereinigt, dessen Lage bei der Auffindung mir nicht bekannt ist.
Inneres der Kirche während der Renovierungsarbeiten 1985
Da sowohl die Breite der beiden Hälften (u.a. auch die den Text begleitenden Linien), der umlaufende Text wie auch die Schriftart sich diesem Verfahren zwanglos fügen, ist der Verdacht angebracht, dass es sich um die zwei Hälften ein und derselben Platte handelt.

Umschrift in gotischen Majuskeln
[+] ANO DNI M
C C C LXXXIII [] IN VIGILIA NATIT
TIS DNI OBIIT
PETR: DE KROPPHESBG [] PASTOR HVI ECCIE [?]

Volltext
[+] ANNO DOMINI 1383 DIE IN VIGILIA NATIVITATIS DOMINI OBIIT PETRUS DE KROPPHESBERG PASTOR HUIUS ECCLESIE

Übersetzung
Im Jahr des Herren 1383 am Vortag des Geburtsfestes unseres Herren starb Peter von Kropfesberg Priester dieser Kirche hier.

Der am 24.12.1383 Verstorbene stammt wahrscheinlich aus dem Geschlecht derer von Altdorf gen. von Kropfsberg (Kropsberg, Krobsberg, Crophisberg, Crophesberg, Cropsberg), denn eine Urkunde aus dem Jahr 1402, die eine ewige Meßstiftung der Brüder Wilhelm und Gerhard von Odenbach, Teilinhaber der Kropsburg, festhält, lautet:

Grundriss der mittelalterlichen Kirche "Darum sollent wissen alle und besunders sünderliche die es angeht oder hernach angehen dorft daß die frommen vesten Herr Gerhart und Wilhelm von Odenbach die man nennt von Kropsberg Gebrüdern Speyerer Bistums durch Lop und Ere des allmächtigen Gottes unseres Schöpfers zu erwerbend Seine götlich Gnade und auch Seiner lieben Mutter Marien u. der heiligen zehen dusent Marterern und darzu umb Heils Willen irre und irrer Vorfarn und Nachkommende und aller Christen Menschen Seelen sohant Sie eine ewige Messe und ein priesterlich Pfründe gesetzet gewedemet und gemacht in der Kirchen des Dorfes zu Sankt Martin bei der Burg Kropsperg im Spiren Bistum gelegen mit Willen und Verhengniße der erbaren Hern Heinriches von Altdorf genannt von Kropsperg Kircheltesten und Pastor der eignen Kirchen zu Sankt Martin und Cunen [Kämmerer von Worms, +1404] den man nennt von Kropsberg Lehen Herren der eigenen Kirchen und Pastorien ..."

Der Altar der Zehntausend Märtyrer befand sich im östlichen Joch des nördlichen Seitenschiffes, welches dem hiesigen Adel als Grablege diente. Da das "Flächenangebot" dieses Räumleins die vielen Epitaphien nicht aufnehmen konnte, war man auch auf den Fußboden angewiesen. So erklärt sich der schlechte Erhaltungszustand einiger Platten. Im Falle der oben beschriebenen kam es noch schlimmer: Etwas mehr als 100 Jahre nach ihrer Herstellung - inzwischen waren die Dalberger die alleinigen Inhaber der Kropsburg - wurde sie halbiert und als Fundament für einen der Wandpfeiler des nun einzuwölbenden Hochschiffes verwendet.
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