Die Kropsburg-Madonna

REFUGIUM PECCATORUM

Im Jahr 2006 ist die sog. Dalberg-Madonna nach St. Martin zurückgekehrt. Sie fand im Garten der Kellerei ihre neue Bleibe.
Vom Typ her handelt es sich um eine Immaculata, steht die Figur doch auf einer (Welt)kugel, die von einer Schlange umwunden wird, während ein Spruchband mit der Inschrift 'REFUGIUM PECCATORUM' die "Unbefleckte" als 'Zuflucht der Sünder' ausweist.

Die Sockelplatte trägt eine Stifterinschrift, die auf einer erklärenden Tafel folgendermaßen wiedergegeben und übersetzt wird:

EREXIT FRID ANTONAUM DET CELLER CROBSBERG 1716
Aufgestellt für Friedrich Anton im Heiligtum des Kropsberges im Jahre 1716

Geht man etwas vorsichtiger vor, indem man nur zulässt, was der Erhaltungszustand der Inschrift wirklich hergibt, kommt man zu folgendem Ergebnis:

EREXIT FRID|ANTHONA?M?DET CELLER?N CROBS|BEBG. 1?16

Zwischen 1717 und 1723 wird im Kirchenbuch von St. Martin (1671 ff., Diözesanarchiv Speyer) ein Friedrich (Antonius) Anthon mehrfach (6x) genannt. Stets wird er dabei als "Gutsverwalter des Hochvornehmen Herrn von Dalberg" betitelt, wobei ein beigefügtes 'pro tempore' anzeigt, dass er dieses Amt nur kommissarisch bekleidete.
Als sein 'Arbeitgeber' muss FRANZ ECKENBERT v. Dalberg (1674 - 1741), Herr über Dalberg, Heßloch, Essingen, Ruppertsberg und die Kropsburg, gelten. Und so wundert es auch nicht, dass der letzte Kirchenbucheintrag von 1723 Friedrich Anthon als Cellerar in Ruppertsberg benennt.

Die Inschrift müsste demnach folgendermaßen lauten:
EREXIT FRID[ericus] ANTHON ADMOD[erator] ET CELLER[arius] (I)N CROBSBE[rg] B[ur]G[o] 1716
Sockelinschrift Zu Deutsch hieße dies:
"Der Gutsverwalter und Cellerar Friedrich Anthon hat im Jahr 1716 (dies Bildwerk) auf Burg Crobsberg errichtet."

Der zweite der o.g. Kirchenbucheinträge macht besonders neugierig:

1717 14 xbris Fridericus Antonius Fischer
Jacobus uxor Maria Catharina
P: Fridericus Antonius pro tempore admoderator super bonis praenobilis Domini De Dalberg ad S. Martinum


Friedrich Anthon fungierte also am 14. Dezember 1717 als Taufpate des Sprösslings der Eheleute Jakob und Maria Katharina Fischer. Jakob Fischer wiederum ist der Onkel und Taufpate jenes Johann Jakob Fischer (*1727), der zusammen mit seinem Bruder Wendelin(*1719) immer wieder als Schöpfer von Steinfiguren der religiösen Kunst in St. Martin und Umgebung genannt wird.

Geht man davon aus, dass die Steinmetzkunst über mehrere Generationen in der Familie Fischer geübt wurde und bedenkt man weiter, dass so ein vornehmer Herr, wie Friedrich Anthon, eine gewisse soziale Distinktion pflegte (die weiteren Einträge des Kirchenbuches legen dies nahe), so könnte der Grund für diese Patenschaft in einem Auftraggeber-Verhältnis zu suchen sein.

Ich vermute daher in Jakob Fischer (*1683) den Urheber unserer 'Kropsburg-Madonna'.

Fotos: ©FJZ 1987
HOME