Die Haingeraiden

Hommage an König Dagobert den "Guten"

Das Zeichen der 5. Haingeraide (Mittelhaingeraide) zu der auch St. Martin gehörte. Die Haingeraiden waren Waldgenossenschaften, die sich von Wanzenau im Oberelsaß bis Bad Dürkheim in der Pfalz erstreckten.
Als gemeinsames Eigentum der hierzu gehörigen Geraidedörfer wurden sie auch Alimende (Allmende) genannt.
Sie verfügten über eine eigene Geraideordnung nach der an bestimmten Geraidetagen vom Geraidegericht am Geraidestuhl in Geraidedingen verhandelt und der Geraidespruch gefällt wurde.
Die Entstehung der Waldgenossenschaften ist bis heute in Dunkel gehüllt, und in mehr erbaulichen als historischen Erzählungen wird dem "guten" König Dagobert ihre Gründung im 7. Jahrhundert zugeschrieben.

Es gab 16 Waldbezirke:
1. Wanzenau; 2. der Brumather Wald; 3. der Hagenauer Forst; 4. das Weißenburger Mundat; 5. die Bergzaberner Geraide; 6. die Rothenburger Geraide;
7. die erste Haingeraide mit den Gemeinden: Landau, Albersweiler, Gräfenbausen, Queichhambach, Godramstein, Nußdorf, Frankweiler, Siebeldingen und Birkweiler; 8. die zweite Haingeraide mit: Burrweiler, Böchingen, Dernbach, Flemlingen, Gleisweiler, Ramberg, Roschbach und Walsheim; 9. die dritte Haingeraide mit: Edesheim, Hainfeld, Weyher und Rhodt; Das Zeichen der Vierten Haingeraide 10. die vierte Haingeraide mit: Edenkoben, Venningen, Böbingen, Gommersheim und Altdorf; Logstein 11. die fünfte Haingeraide mit Maikammer, St. Martin, Diedesfeld und Kirrweiler;
12. die erste Haardtgeraide (Hambach); 13. die zweite Haardtgeraide (Neustadt); 14. die dritte Haardtgeraide (Deidesheim); 15. die vierte Haardtgeraide (Wachenheim); 16. die fünfte Haardtgeraide (Dürkheim).

Zwischen den Einwohnern der Gemeinden Maikammer und St. Martin kam es in Fragen der Waldnutzung oft zu Unstimmigkeiten, die zu Tätlichkeiten ausarteten.
Um diesen Auswüchsen ein Ende zu setzen, einigten sich die vier Bürgermeister, den Wald zu teilen.
Am 16. Mai 1820 stellten sie auf dem Landeskommissariat in Landau den Antrag auf Teilung.
Die Genehmigung durch die königliche Regierung des Rheinkreises erfolgte bereits am 20. Mai. Der Kreisforstmeister Dreßler leitete die Vermessung, Abschätzung, Ausgleichung und Heimweisung der einzelnen Anteile.
Die Gesamtfläche des Waldgebietes der 5. Hainraide betrug 3 023 Hektar, 81 Ar und 94 Quadratmeter. Die zugeteilten Flächen wurden nach der Anzahl der Feuerstellen (Haushaltungen) bemessen. Im Jahr 1822 wurden die Log- oder Grenzsteine gesetzt und am 8. August 1823 die Teilungsurkunde unterzeichnet.

In steinerner Form und holprigem Latein hat man diesen Rechtsakt als Inschrift am Kanzelfelsen festgehalten, der in der Nähe des Argenbachtales im Diedesfelder Teil der eh. Waldmark liegt:

HAECCE SYLVA INTER PAGOS MAIKAMMER DIEDESFELD KIRRWEILER
ET ST. MARTIN ULTRA HOMINUM MEMORIAM INDIVISE POSSESSA IN COMMODUM
EMOLUMENTUMQUE MAXIMUM PAGORUM HORUM DIVISA FUIT EORUM
PRAETORIBUS DANIELE REINIC JAC GIES CASP BECKER GEORG SEEBER
JOAN HARTMANN SECRETARIO JAC ALBERT SALTUUM CUSTODE
ANNO DOM MDCCCXXIII DIE VIII MENSIS AUGUSTI

Dieser Wald war schon vor Menschengedenken (!?) im ungeteilten Besitz der Dörfer Maikammer, Diedesfeld, Kirrweiler und St. Martin. Zum größten Nutzen und Gewinn dieser Dörfer wurde er im Jahr des Herrn 1823 am 8. August geteilt als Daniel Reinig, Jakob Gies, Kaspar Becker und Georg Seeber Gemeindevorsteher, Johann Hartmann Schreiber und Jakob Albert Waldhüter waren.

Inschrift a. Kanzelfelsen

Duttweiler   

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